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Feed: THE AARDVARK SPEAKS

Just another lame librarian blog. Essence, effervescence, etc. Established 2002. ISSN 1726-5320


Was jetzt anders ist
20-Aug-15

Weil ich immer wieder lese, wie Leute ihre Verwunderung darüber äußern, dass Österreich 1956 und 1992 hunderttausende Flüchtlinge anstandslos aufgenommen hat und das kann doch nicht sein, dass das heute nicht mehr gehen soll, möchte ich dieser Argumentation kontern. Doch, das kann so sein. Die Situation ist eine komplett andere. Und zwar aus einer ganzen Reihe von Gründen, von denen ich mal exemplarisch sieben aufzählen will.

Damit kein Missverständnis entsteht: weder identifiziere ich mich mit diesen Begründungen, noch will ich damit irgendwessen Verhalten entschuldigen. Ich will nur aufzeigen, was seit 1992 geschehen ist, das dazu geführt hat, dass die Stimmung gegenüber Flüchtlingen in Teilen der Bevölkerung gekippt ist. Keiner braucht sich darüber zu wundern, denn die Stimmung sitzt nicht nur in wirren Köpfen, sondern sie ist Ergebnis und Ausdruck einer Ideologie, die unser Leben prägt.

1. Die Flüchtlinge 1956 und 1992 waren Nachbarn

Zu Beginn der banalste und sicher nicht ausschlaggebendste Grund: Die Herkunftsländer der Flüchtlinge 1956 und 1992 waren mehr oder weniger direkt angrenzende Länder und bis 1918 sogar Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie. Man fühlte sich quasi dem selben Kulturkreis zugehörig, ein bisschen Monarchie-Nostalgie mag wohl auch mitgeschwungen sein. Die Flüchtlinge heute kommen aus anderen Ländern, die um einiges weiter weg sind, die man nicht kennt, weil man sie nicht einmal jemals im Urlaub besucht hat. Simpel gesagt: Damals gehörten die irgendwie zu uns und hatten einen Vertrauensvorschuss. Den gibt es heute nicht.

2. Wir leben im Schatten von 9/11 und IS

Naomi Klein hat in ihrem Buch Die Schock-Strategie sehr eindrucksvoll beschrieben, dass sich die Politik sehr gerne den Machterhalt sichert, indem sie feindliche Bedrohung von außen als Faktor benützt, um Konsens im Inneren zu erwirken. Spätestens seit 9/11 erzählen uns Politiker und Medien von der angeblichen stetigen Unterwanderung der westlichen Gesellschaft durch islamische Terroristen und rechtfertigen damit die Beschneidung von Bürgerrechten und die umfassende Überwachung der Bürger.

Bei der Massivität dieses Angst-Diskurses ist es nicht unverständlich, wenn angesichts der Tatsache, dass nun tausende Moslems aus den Kernländern der IS zu uns kommen, Menschen Angst- und Abwehrreaktionen zeigen, und zwar unabhängig davon, dass diese Menschen gerade vor den Terroristen flüchten. Die betroffenen Länder wurden jahrelang fast ausschließlich als Heimat von Terroristen dargestellt, sodass es vielen schon schwer fällt zu glauben, dass die Terroristen dort in der Minderheit sind.

3. Wir leben in keiner egalitären Gesellschaft mehr

1956 und 1992 war die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich um einiges geringer als heute. 1956 war eine Mittelschicht gerade im Entstehen, 1992 war sie noch einigermaßen stabil. Momentan ist die Mittelschicht am Erodieren, und die Gesellschaft ist dabei, sich in einen Geldadel (der für seinen Reichtum nicht arbeiten muss, sondern sein Geld arbeiten lässt) und ein Prekariat (das trotz Arbeit an der Armutsgrenze kratzt) aufzuspalten. Es herrscht die Angst vor dem sozialen Abstieg.

In solchen Situationen, das zeigt die Geschichte, suchen sich Gesellschaften gerne Sündenbocke, die in der Hierarchie noch eine Stufe tiefer stehen. In den 1930er Jahren haben die Nationalsozialisten unter der verarmten, arbeitslosen Masse die Klasse der "Untermenschen"(Juden, "Asoziale", Roma, Slawen) eingeführt. Den Begriff würde man heute natürlich nicht verwenden, aber der Grundgedanke ist schon da, und die Ursache ist die selbe: wenn einer Gesellschaft das Gefühl verloren geht, dass alle Mitglieder dieser Gesellschaft gleich sind und gleich behandelt werden, dann geht mit der Zeit auch der Konsens verloren, dass alle Menschen grundsätzlich die gleichen Rechte haben sollen.

4. Wir haben das Prinzip der Kooperation gegen jenes der Konkurrenz getauscht

In der wirtschaftlich einigermaßen abgesicherten Welt des Österreich der Jahre 1956-1992 war Konkurrenz lange Zeit ein eher theoretischer Begriff. Regionale Firmen konnten einen regionalen Markt bedienen, die Transportkosten waren noch nicht lächerlich billig und die Globalisierung selbst 1992 erst am Beginnen. Das angloamerikanische Konkurrenzdenken war bei uns noch nicht wirklich verbreitet, es wollte nicht jeder besser sein als der andere, weil es auch nicht wirklich notwendig war. Das hat zwar die Wirtschaft nicht zu Höchstleistungen getrieben, aber in so einer Atmosphäre konnte man leicht kooperativ sein.

Diese gemächliche Schutzzone gibt es nicht mehr. Heimische Firmen kämpfen gegen Billigimporte, Arbeitssuchende gegen solche, die die selbe Arbeit für weniger Geld machen, Praktikumsplätze werden nicht nur an den Bestqualifizierten und Anspuchslosesten vergeben, sondern müssen zum Teil sogar bezahlt werden. Überall herrscht Konkurrenz und Konkurrenzdenken. In so einer Atmosphäre ist es wenig verwunderlich, wenn die Leute, die darunter am meisten leiden, keine zusätzliche Konkurrenz wollen.

5. Wir sind gefangen zwischen sinkenden Einkommen und steigenden Konsumansprüchen

1956-1992 stiegen die Löhne kontinuierlich an; in den letzten 15 Jahren sind die Reallöhne allerdings gesunken. Das wäre an sich noch nicht so problematisch, denn das Lohnniveau in Österreich ist international gesehen ganz gut. Das Problem ist, dass es die Wirtschaft in einigen Jahrzehnten geschafft hat, Identitätsfindung durch Konsumverhalten zu definieren: wer nicht weiß, wer er ist, schafft sich seine Identität dadurch, dass er bestimmte Produkte kauft. Damit schafft es die Wirtschaft, weiterhin Begehrlichkeiten und Ansprüche zu wecken, auch wenn diese mit den sinkenden Einkommen nicht mehr problemlos zu befriedigen sind.

Das erklärt wohl auch, warum trotz sinkender Einkommen in Österreich die Umsätze im Einzelhandel weiterhin steigen. Gerade die Menschen aus den finanziell prekärsten Schichten sind davon am meisten betroffen, sie haben aber nicht nur das Gefühl, vom erarbeiteten Geld immer weniger zu haben, es schwebt dabei auch die unbewusste Angst vor dem drohenden Identitätsverlust mit.

Natürlich steigt dann der Neid und der Hass auf die, die Geld bekommen sollen, ohne dafür zu arbeiten, egal wie niedrig die Beträge im Vergleich sind. Darum auch das Flüchtlings-Handy als Hassobjekt, denn es gibt dem Flüchtling ein Prestige und eine Identität, die jemand, der sich seine eigene Handy-Rechnung kaum leisten kann, ihm nicht zugestehen will.

6. Wir leben die Austeritäts-Politik

Bis 1983 war der österreichische Wohlfahrtsstaat die viel zitierte "Insel der Seligen". 1983 kam das erste große Sparpaket, es folgten weitere, massiv ab 1995 zur Erfüllung der Maastricht-Kriterien. Spätestens seit 2005 wird uns von der Politik ununterbrochen vorgebetet, wie wichtig es ist, zu sparen. Wohl gemerkt, nicht wir sollen sparen (das würde ja die Wirtschaft bremsen, und deshalb wurden auch die Sparzinsen de facto abgeschafft), nein, der Staat muss sparen, und zwar vor allem bei Bildungs- und Sozialausgaben.

Diverse Länder wurden harten Spardiktaten unterworfen, in Österreich hat man es eher mit der Salamitaktik (in kleinen Scheiben) gelöst, aber es hat keinen Schäuble gebraucht, um uns jahrelang einzutrichtern, dass Sozialausgaben vor allem arbeitsunwilligen "Sozialschmarotzern" nutzen und daher weiter gesenkt werden müssen. Es ist vermessen zu glauben, dass diese jahrelange Indoktrination nicht wirkt, dass die Zahl der Leute, die nicht bereit ist, zuzusehen, wie Fremde Geld aus eben jenen Sozialtöpfen bekommen sollen, rapide steigt. Oder ganz knapp zusammengefasst: Wir haben nichts zu verschenken, und überhaupt, Geiz ist geil.

7. Wir haben bald 30 Jahre Anti-Ausländerparolen der FPÖ

Die FPÖ hatte ihren Durchbruch mit der Machtübernahme von Jörg Haider im Jahr 1986. 1992 haben Haiders Äußerungen noch Aufsehen erregt. Noch 1991 musste er wegen seiner Äußerung über die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich zurücktreten. Heute, 24 Jahre später, ist die politische Sprache der FPÖ längst kein Aufreger mehr, es dürfen Sachen gesagt werden, die damals undenkbar gewesen wären, und natürlich haben sich diese Denkweisen in der Bevölkerung als völlig normal festgesetzt: "Daham statt Islam" ist kein Aufreger. Die FPÖ nimmt sogar direkt darauf Bezug und sagt, sie spreche "unsere Sprache". Damit legitimiert sie ihre politische Diktion sogar als die der (vermeintlichen) Mehrheit.

Waren früher manche politische Äußerungen von FPÖ-Politikern ein Rücktrittsgrund, sind sie also heute "unsere Sprache". Vermutlich gilt das dann eben auch für die Benutzerkommentare auf FPÖ-nahen Facebook-Seiten.

Fazit

Somit: Nein, unsere Situation ist nicht vergleichbar mit 1956 oder 1992. Wir leben heute in einer Gesellschaft, deren Grundideologie in Bezug auf Konsum, Konkurrenz und Gleichheit in den letzten 20 Jahren einem grundlegenden Wandel unterworfen war. Einige haben ihre Einstellung aus dieser Zeit in die Gegenwart herübergerettet, aber viele sind in der neuen Ideologie aufgewachsen oder haben sie aus anderen Gründen übernommen.

Man hat uns in dieser Zeit Angst vor den Moslems gemacht, wir fühlen uns sozial ungleich behandelt und wissen nicht, wie wir mit weniger Geld unsere ständig steigenden Bedürfnisse befriedigen sollen. Man hat uns 20 Jahre lang eingetrichtert, dass Konkurrenz toll und Geiz geil ist, und wir wurden 30 Jahre lang mit Anti-Ausländerparolen abgestumpft.

Politik und Wirtschaft haben uns zwar dazu gebracht, mit weniger Geld weiter einzukaufen und es zu akzeptieren, dass man uns Bürgerrechte und Sozialleistungen wegnimmt, die Menschlichkeit ist dabei aber irgendwo verloren gegangen. Die Mechanismen beschreiben Georg Seeßlen und Markus Metz sehr eindrücklich in den beiden Schlusskapiteln ihres Buches Blödmaschinen. Die zwei Möglichkeiten, die sie als Konsequenz dieser Entwicklung aufzeigen, sind beide nicht schön.





Ende einer Ära
30-Aug-14

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Der berühmte doppelte Billa in der Westbahnstraße existiert nicht mehr. Eine der beiden Filialen wurde geschlossen.

Jahrzehntelang bestand an der Kreuzung Westbahnstraße/Zieglergasse eine Billa-Filiale, die aus Platzgründen auf zwei Geschäftslokale aufgeteilt war - Obst, Feinkost, Fleischwaren, Milchprodukte und Süßigkeiten in einer Filiale, und alles in Dosen, Gläsern und Flaschen sowie Reinigungs- und Toilettartikel in der anderen Filiale.

Ortsunkundige wurden regelmäßig verwirrt, weil sie in jeweils einer der Filialen nie alles fanden, während Ortsansässige, die das eigentlich sehr einfache System durchschaut hatten, sich als wissende Insider fühlen durften.

Ein einzigartiges Stück Wiener Supermarktgeschichte ist damit zu Ende gegangen.





Der blaue Fleck auf der Mariahilfer Straße
25-Aug-13

Der Bürgermeister von Vorderholzing, einem imaginären Ort in der Nähe von Schilda, hatte eine Idee: Er wollte einen Badeteich bauen lassen, wusste aber nicht so recht, was die Bevölkerung davon halten würde. Also ließ er, bevor er die Bagger bestellte, in der Größe des geplanten Teichs blaue Farbe auf die Wiese leeren und lud die Bewohner ein, den neuen Teich zu testen. Ein paar Leute stellten auch ihre Liegestühle am Ufer des blauen Flecks auf oder breiteten ihre Picknickdecken aus, aber es wollte keine richtige Badestimmung aufkommen.  Der Bootsverleiher fand es zu mühsam, die Boote händisch über den blauen Fleck zu ziehen und gab nach zwei Tagen entnervt auf, auch weil dauernd Kinder mitten auf dem blauen Fleck herumliefen und ihn irritierten. Als dann die blaue Farbe auch noch Wildschweine anlockte und diese die Gegend unsicher machten, wurde die blaue Farbe wieder von der Wiese entfernt und das Projekt Badeteich abgesagt.

Wer diese Geschichte absurd findet, sollte bedenken, dass dasselbe momentan auf der Mariahilfer Straße geschieht. Auch dort wird eine irreale Situation simuliert, und ebenso wenig wie ein blauer Fleck auf einer Wiese ein Badeteich ist, ist eine zweispurige Straße mit ein paar Schildern und Bodenmarkierungen eine Fußgänger- oder Begegnungszone. Sämtliche Probleme, die derzeit in der Mariahilfer Straße auftreten und die zu Recht kritisiert werden, sind allein dadurch begründet, dass keinerlei bauliche Maßnahmen getroffen wurden, um aus einer für den Autoverkehr konzipierten Straße eine taugliche Fußgänger- und Begegnungszone zu machen.

Verkehrsteilnehmer nehmen ihre Umgebung sensuell, nicht rational wahr. Die Fahrbahn beginnt, wo die Gehsteigkante ist. Auf gepflasterten Gehsteigen ist die Gehgeschwindigkeit niedriger als auf asphaltierten. Wo es laut ist, wird niemand verweilen. Etwas, das wie eine Fahrbahn aussieht und sich wie ein solche anfühlt, ist und bleibt eine Fahrbahn, egal welche Schilder und Bodenmarkierungen dort zu finden sind. Eine Fußgängerzone wird weder von den Fußgängern noch von den anderen Verkehrsteilnehmern als solche wahrgenommen, so lange es eine vom Gehsteig getrennte Fahrbahn gibt, egal, ob diese als solche benutzt wird oder nicht.

Mehrfach konnte man lesen, dass die Fußgänger in der Mariahilfer Straße nach wie vor vor allem auf den Gehsteigen gehen und sich nicht trauen, die Fahrbahn zu überqueren. Dabei scheinen die Autoren solcher Zeilen ebenso wie die beschriebenen Fußgänger vergessen zu haben, dass es die "Fahrbahn" ja offiziell gar nicht mehr gibt! Die Raumwahrnehmung ist eben stärker als alle Verkehrsschilder, und da die Gehsteigkanten noch da sind, wird die Trennung Gehsteig/Fahrbahn auch noch als solche wahrgenommen und teilweise verzweifelt nach den verschwundenen Schutzwegen gesucht oder sogar deren Wiedereinführung gefordert, vergessend, dass in einer Fußgänger- oder Begegnungszone ja überall Schutzweg ist.

Die Busspur für den 13A scheitert, abgesehen davon, dass sie vom Betriebsrat relativ offensichtlich zu Wahlkampfzwecken genutzt wird, im Grunde am gleichen Problem: Wiener Radfahrer wissen zur Genüge, dass Radwege, die einfach nur auf Gehwege aufgemalt wurden, von den Fußgängern ignoriert werden, und zwar egal, ob sie rot, grün oder nicht eingefärbt sind. Seit letzter Woche wissen die Busfahrer des 13A, dass dasselbe auch für aufgemalte Busspuren gilt. Die Busspur des 13A hätte jedoch funktionieren können, hätte man einfach die Gehsteige bis an den Rand der Busspur vorgezogen und dort mit einer einfachen Gehsteigkante abgetrennt. Den Beweis dafür findet man ums Eck: In der Neubaugasse fährt der 13A zwischen Lindengasse und Mariahilfer Straße seit Jahrzehnten ohne Probleme, ohne Unfälle und ohne Personalproteste durch eine de facto Fußgängerzone, und zwar ohne 20 km/h-Limit und ohne rote Fahrbahn, aber eben mit einer entsprechenden Straßengestaltung.

Es ist bekannt, dass Autofahrer (und im übrigen auch Radfahrer) umso schneller fahren, je breiter eine Straße ist. In einer echten Fußgänger- oder Begegnungszone gibt es keine Fahrbahn, also sinkt die Geschwindigkeit drastisch. In der Mariahilfer Straße wurde die zweispurige Fahrbahn durch den Entfall der Parkplätze hingegen optisch auf vier Spuren verbreitert. Zu erwarten, dass dabei die Geschwindigkeit sinkt oder sich Autofahrer auf einer vierspurigen Straße an ein 20 km/h-Limit halten, ist allein schon deshalb unrealistisch, weil auf einer derart breiten Fahrbahn Geschwindigkeiten wesentlich niedriger wahrgenommen werden als sie sind.

In gleicher Weise ist es sinnlos, über Radfahrer zu schimpfen, die schneller als mit Schrittgeschwindigkeit auf einer mehrspurigen Fahrbahn fahren, auf der sich noch dazu nur relativ wenige Fußgänger bewegen. Das hat nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun, es wird unter diesen Bedingungen einfach nicht als Notwendigkeit wahrgenommen, weil die Fahrbahn breit und größtenteils leer ist und "ja eh Gehsteige da sind". Dass Fahrradverkehr mit Rücksichtnahme in echten Fußgängerzonen durchaus funktioniert, und zwar durchaus im Schritttempo, beweisen Beispiele weltweit, von der Rue St. Denis in Paris bis zur Tuchlauben in Wien.

Auf der Mariahilfer Straße ist also der Probebetrieb der größte Feind des Echtbetriebs. Statt eines fortschrittlichen Verkehrsberuhigungskonzeptes wird hier ein Worst-Case-Szenario getestet, nämlich ob und in wie weit man Fußgänger auf eine Fahrbahn schicken und sie dort einem zwar reduzierten, aber unregulierten Auto- und Radverkehr aussetzen kann. Das hat mit einer echten Fußgänger- und Begegnungszone ebenso wenig zu tun wie ein blauer Fleck auf einer Wiese mit einem Badeteich, und es ist zudem um einiges gefährlicher.

Dass der Vorschlag für diesen so genannten "Probebetrieb" ausgerechnet aus dem Grünen Verkehrsressort kam, ist verwunderlich, denn die Idee wirkt eher so, als käme sie aus einer teuflischen Denkfabrik des politischen Gegners (auch wenn Die Presse darauf hinweist, dass wohl eher zu viele Köche den Brei verdorben haben dürften). Sollte dieses für Wien richtungsweisende Projekt scheitern, dann liegt es nicht an der Unmöglichkeit einer Fußgänger- oder Begegnungszone, sondern einzig und allein daran, dass eine solche in der Mariahilfer Straße nie getestet wurde.

--

Der Autor dieses Artikels ist Fachreferent für Technik, Verkehr und Raumplanung an der Universitätsbibliothek Wien.





Discovery-Systeme und Bibliotheks-MitarbeiterInnen: Versuch über die Ursachen einer Beziehungskrise
14-Apr-13

Basierend auf einem Diskussionsbeitrag vom BibCamp 2013.

Discovery-Systemen bläst, obwohl sie von den Softwarefirmen als eierlegende Wollmilchsäue gepriesen werden, ein eisiger Wind entgegen; nicht von den BibliotheksbenutzerInnen, nicht von den EntscheidungsträgerInnen in Bibliotheken, aber ganz massiv von den Bibliotheks-MitarbeiterInnen. Diese setzen weiterhin auf den klassischen Online-Katalog, und auch in Beratungsgesprächen wird, sofern der OPAC nicht gänzlich außer Betrieb genommen wurde, nur selten auf Discovery-Systeme Bezug genommen.

Anne Christensen hat in ihrem Blog acht Thesen aufgestellt, die versuchen, die Ursachen für dieses Phänomen zu ergründen, besonders auf eine dieser Thesen möchte ich später noch eingehen.

Mein zentraler Punkt bezieht sich auf eine Aussage, die in diesem Zusammenhang immer wieder zu hören ist, nämlich dass das Grundproblem eben sei, dass sich das BenutzerInnenverhalten eben geändert habe und die BibliothekarInnen sich diesem Umstand eben anpassen müssten.

Diese Aussage ist grundsätzlich falsch. Das BenutzerInnenverhalten hat sich überhaupt nicht geändert. Die BenutzerInnen wollten immer schon in erster Linie mit ein paar einfachen Suchbegriffen das passende Buch finden. Wer in eine Buchhandlung geht und Gesprächen zwischen Buchhändlern und Kunden zuhört, wird feststellen, dass auch dort selten exakte Autorennamen, Buchtitel oder gar ISBN-Nummern verwendet werden, sondern erstaunlich häufig einfach nur grobe Beschreibungen oder auch fehlerhafte Titel. An Bibliotheken ist das nicht anders: Im Online-Katalog der Universitätsbibliothek Wien werden und wurden 90% der Suchanfragen über die einfache Wortsuche gestellt. Es ist also falsch, zu sagen, Google habe die Suchgewohnheiten der BenutzerInnen „verdorben". Google hat den BenutzerInnen einfach nur eine Benutzerschnittstelle gegeben, die ihrem immer schon vorhandenen Verhalten entgegengekommen ist.

Bislang waren BibliotheksbenutzerInnen nämlich gezwungen, für ihre Recherchen ein Werkzeug zu verwenden, der ihrem Suchverhalten überhaupt nicht entsprochen hat. Kataloge sind von BibliothekarInnen geschaffene Werkzeuge, die primär der Verwaltung des vorhandenen Bestands dienen; dass man sie auch verwenden kann, um Bücher für die Benützung zu finden, ist gewissermaßen ein praktischer Nebeneffekt. Als Verwaltungstool für BibliothekarInnen unterliegt der OPAC bibliothekarischen Regeln und ist daher nicht in allen Belangen selbsterklärend, weswegen Schulungen nötig waren, um den BenutzerInnen einen Teil der inhärenten und für die Suche relevanten bibliothekarischen Grundregeln zu erklären, die für ein über Grundbedürfnisse hinausgehendes Maß an Treffsicherheit bei den Suchergebnissen nötig waren.

Ich betrachte die großen Probleme, die viele BibliotheksmitarbeiterInnen mit Discovery-Systemen haben, in gewisser Weise als ausgleichende Gerechtigkeit: Jahrelang wurden die BenutzerInnen dazu gezwungen, Recherchewerkzeuge zu verwenden, die nicht ihren Anforderungen entsprachen und gleichsam aus einer „fremden Welt" stammten; nun hat sich die Situation umgekehrt.

Die Discovery-Systeme entsprechen nämlich deutlich mehr den Bedürfnissen und der Arbeitsweise der BenutzerInnen; hingegen sind sie für die bibliothekarische Arbeit deutlich weniger geeignet, da mit den derzeit gängigen Versionen weder eine systematische Suche noch eine systematische Datenausgabe mit der selben Präzision möglich sind, wie diese von einem OPAC geboten wird. Die Frustration, die BibliotheksmitarbeiterInnen nun mit Discovery-Systemen erleben, ist also nichts mehr als eine Spiegelung der Probleme, die die BenutzerInnen jahrelang mit OPACs erlebt haben - in beiden Fällen haben wir es mit Werkzeugen einer Gruppe zu tun, die für die Arbeitsweise der jeweils anderen Gruppe nur beschränkt geeignet sind.

Dazu kommt aber noch ein weiterer, ganz wesentlicher psychologischer Faktor: das Discovery-System wirkt nicht auf BibliotheksmitarbeiterInnen nicht nur unpassend, sondern auch noch unberechenbar. Das Gefühl des Kontrollverlustes ist ein ganz zentraler Faktor bei der Ablehnung von Discovery-Systemen.

Erstens äußert sich der Kontrollverlust darin, das die Ergebnisausgabe eines Discovery-Systems durch den/die MitarbeiterIn nicht mehr steuerbar ist. Wie Anne Christensen in ihrem Punkt 6 richtig anmerkt, sind Kataloge von BibliothekarInnen konzipierte Produkte, die für jede Suchanfrage ein klar definiertes und damit vorhersehbares Ergebnis liefern. Das beginnt schon bei so simplen Prinzipien wie jenem, dass beim Nichtvorhandensein eines Werkes einfach kein Treffer angezeigt wird. Bei Discovery-Systemen gilt diese Vorhersehbarkeit nicht: selbst wenn kein entsprechendes Werk vorhanden ist, werden unter Umständen noch Treffer angezeigt; die Eingabe von mehr Suchbegriffen führt nicht unbedingt zu genaueren Treffern; die angegebenen Facetten sind möglicherweise nicht die relevantesten, sondern die zuletzt bei Suchanfragen angeklickten; selbst die Reihung der Suchergebnisse kann bei zwei identischen Suchanfrage unterschiedlich sein.

Diese nicht berechenbare, nicht beeinflussbare Ergebnisausgabe widerspricht jeglicher bibliothekarischer Ordnung und Logik, die die MitarbeiterInnen von OPACs gewöhnt waren. Dazu kommt, dass technische Mängel der Discovery-Systeme dazu beitragen, das ohnehin angeknackste Vertrauen bei den MitarbeiterInnen weiter zu brechen. Nicht nur, dass frühe Versionen der Discovery-Systeme je nach Qualität der Katalogisate sehr fehleranfällig waren, die Suchalgorithmen und -interfaces der aktuellen Discovery-Systeme hinken technisch mehrere Jahre hinter dem nach, was derzeit State of the Art ist. Da auf dem Markt de facto keine Konkurrenz herrscht, ist auch nicht zu erwarten, dass die Funktionalität der Discovery-Systeme jemals gleichauf mit jener von beispielsweise Google oder auch nur Amazon sein wird.*

Zweitens erstreckt sich der Kontrollverlust nicht nur auf die Suchergebnisse, sondern auch auf den Fundus der durchsuchten Dokumentenbestände. Der OPAC durchsuchte nur den eigenen Bestand, der überblickbar ist und dessen Benutzung eindeutig geregelt ist, während das Discovery-System eine Vielzahl von physischen und virtuellen Beständen durchsucht, die weitgehend dem Einfluss des/der entsprechenden Mitarbeiters/in entzogen sind. Gab es mit dem OPAC ein eindeutiges „richtiges" Suchergebnis, nämlich das passende Buch aus dem eigenen Bestand, so gibt es mit dem Discovery-System möglicherweise eine ganze Reihe von für den/die BenutzerIn relevanten Ergebnissen, die vom Buch aus dem Bestand über das e-Book auf einem Verlagsserver bis hin zu mehreren thematisch eng verwandten Aufsätzen aus diversen anderen Quellen reichen.

Damit fällt der Wissensvorsprung des/der Bibliothekars/in: er/sie wusste bislang, was das „richtige" Ergebnis war, der/die BenutzerIn jedoch nicht. Nun wissen weder BenutzerIn noch BibliothekarIn, welche zutreffenden Suchergebnisse gefunden werden, und in Bezug darauf, welche von diesen auch relevant sind, kehrt sich der Wissensvorsprung sogar um: da es nun nicht mehr um rein formale Kriterien geht, kann der/die BenutzerIn oft wesentlich besser als der/die BibliothekarIn abschätzen, welche der Suchergebnisse relevant sind. Der/die BibliothekarIn hat also nicht nur keine Kontrolle mehr über das Ergebnis einer Suchanfrage, sondern auch keine Kontrolle mehr über das „richtige" Ergebnis.

Kontrollverlust bedingt Angst. Angst führt zu Ablehnung.

Die Schlussfolgerung, die sich aus all dem für die Akzeptanzsteigerung von Discovery-Systemen bei MitarbeiterInnen ziehen lässt, ist daher relativ eindeutig: bis zu dem Zeitpunkt, zu dem alle MitarbeiterInnen ausschließlich mit Discovery-Systemen gearbeitet haben, muss in erster Linie intern dem Gefühl des Kontrollverlustes entgegengearbeitet werden. Die Akeptanz kann also nur erreicht werden, wenn die MitarbeiterInnen wieder das Gefühl haben, das Discovery-System zu verstehen und seine Verwendung zu beherrschen.

Die Zeiten, in denen BibliothekarInnen den BenutzerInnen beibringen mussten, wie man Kataloge bedient, sind ohnehin vorbei, auch wenn an der UB Wien dafür erst vor kurzem eine unglücklich, aber gleichzeitig sehr bezeichnend benannte Abteilung für „User Training" eingerichtet wurde. „User Training" - der englische Begriff beschreibt sehr plastisch das Zurechtbiegen der BenutzerInnen, sodass sie bibliothekarisch denken lernen und unsere Werkzeuge benutzen können - ist angesichts der Discovery-Systeme ein Anachronismus, und die Situation, dass BibliothekarInnen Suchwerkzeuge erklären sollen, mit denen sie im Grunde aus der eigenen Arbeit nicht vertraut sind und die sie daher im Grunde ablehnen, ist ein eigenwillig verquerer und kaum konstruktiver Ansatz.

Stattdessen gilt es, intern Weiterbildungsmaßnahmen zu setzen und die interne Kommunikation zu stärken; wo möglich müssen Mechanismen des Systems transparent gemacht werden, sodass die MitarbeiterInnen dessen Verhalten nachvollziehen und damit umgehen können. Technische Mängel müssen offengelegt, dokumentiert und damit beherrschbar gemacht werden. BibliothekarInnen müssen nicht den BenutzerInnen, sondern in erster Linie einander die Arbeitsweise und die besten Strategien für den Umgang mit Discovery-Systemen beibringen, wenn wir deren Akzeptanz steigern wollen.

---

* Sowohl in unserem Sinne als auch im Sinne der BenutzerInnen muss der Druck auf die Softwarehersteller steigen, zeitgemäße Technologien in die Suchinterfaces zu implementieren. Dazu gehören schon Kleinigkeiten, wie die Analyse von Suchbegriffen schon bei der Dateneingabe: das Suchfeld kann bei der Eingabe von „Foucault Archäologie des Wissens" etwa als Option anbieten, diese Begriffe entweder nur im Bestand der Bibliothek oder nur in den Feldern Autor und/oder Titel zu suchen - eine Technologie, die Amazon und Apple bereits seit Jahren anbieten. Ebenso sollten z.B. Autorennamen im Suchbegriff erkannt und in jedem Fall bei den Autoren-Facetten an oberster Stelle angezeigt werden. Dass solch einfache Funktionen keineswegs Standard sind, zeugt von der Rückständigkeit dieser Produkte und von der Bequemlichkeit der Hersteller.





Thoth welcomes a new arrival
09-Apr-13

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In memoriam Margaret Thatcher, 1925-2013.




They're back
01-Apr-13

...and this time they're in for serious business.

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(See also last year's entry in case you missed it)





Rabbit opticians
31-Mar-13

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Anchovies with skordalia
12-Jun-12

anchovies with skordalia

Simple and delicious.

The recipe:

For the skordalia (serves 4):
  • 1/2 kg (1 lb) floury potatoes
  • 4 cloves garlic, finely chopped;
  • 1-2 tbsp white wine vinegar
  • good olive oil
  • salt
  • pepper

For the anchovies:
  • Frozen anchovies, about 3-4" in length (about 12-18 per person, depending on size)
    DO NOT use the salted anchovies in oil that are sold in glasses or tins!
  • some flour
  • oil suitable for deep frying (rapeseed or similar)
  • lemon juice

A few hours before cooking, defrost the frozen anchovies.

Boil the potatoes for about 20 minutes, then skin them, season to taste with salt and pepper, add the finely chopped garlic cloves and mash well.

Stir in the vinegar and olive oil with a wooden spoon. Keep adding olive oil until the skordalia has become smooth and creamy, but not greasy. Put in fridge and let cool down for a few hours. The taste will change and intensify.

If you bought whole anchovies, remove the heads and gut them. To do do, pull back and tear off the head, then insert your index finger where the head used to be and move it quickly towards the tail, thus ripping out guts (you may want to wear vinyl or latex gloves to do this). Rinse well.

You can also buy kitchen-ready anchovies that are already headless and gutted. These can be used as they are once they have been defrosted.

Dry the anchovies with a paper towel and roll them once in flour, so that they are very thinly coated. No additional seasoning is required, not even salt.

Heat the oil well and deep fry the anchovies at high temperature. You don't need a deep fryer or even a large frying pan, you can do it in a small pot, 6-8 anchovies at a time. Just make sure they are well submerged in the oil.

Once the anchovies have a hint of a golden colour, remove them from the oil. 1-2 minutes will do. If you fry them too long, they will become too dry.

Put anchovies on a kitchen towel so that the extra fat is absorbed. Then arrange on a plate together with a serving of the skordalia. Season the anchovies with lemon juice. You can serve this with salad and a dry white wine.




Playground
04-Jun-12

Everywhere else this would be considered either a joke or cruelty, but in Vienna it's the sad truth: the sign reads "playground".

Kinderspielplatz / Playground




Vortragsfolien "Mobile Webangebote"
01-Jun-12

Mobile Webangebote - warum sie unverzichtbar sind und wie sie mit wenig Aufwand erstellt werden können, Dr. Horst Prillinger, Universitätsbibliothek Wien

Die kommentierten PowerPoint-Folien zu meinem Vortrag "Mobile Webangebote - warum sie unverzichtbar sind und wie sie mit wenig Aufwand erstellt werden können" vom Deutschen Bibliothekartag in Hamburg können jetzt hier heruntergeladen werden:
Download (PDF, 6 MB) [korrigierte Version 2012-06-01 12:57 CEST]

In Kürze werden sie auch auf dem BIB-OPUS-Server bereitstehen.

Ich habe versucht, den Vortrag als Text auszuformulieren, aber ich hatte nicht ausreichend Zeit und Muße dafür und habe dann mittendrin aufgegeben, weil es stilistisch nicht allzu gelungen war. Wenn jemand den Vortrag für eine Publikation in Buchform haben will, setze ich mich gerne hin und formuliere das aus, aber für die elektronische Publikation muss das hier reichen. Sollten bei den Folien Fragen auftauchen, bitte als Kommentar posten.








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